Im dritten Teil unserer schokoladigen Serie unserer Weekend-Beiträge habt ihr einiges über die Schattenseiten der Schokoladeproduktion erfahren. Wir alle können aber mithelfen, der Kinderarbeit und den menschenunwürdigen Bedingungen für Kakaoproduzenten entgegenzuwirken: Indem wir darauf achten, nur Schokolade mit dem „UTZ“- Label zu kaufen.

Im heutigen, 4. und letzten Teil der Serie reisen wir weiter und kommen nun hier zu Hause in der Schweiz an. Überall auf der Welt ist die Schweiz bekannt für ihre Schokolade. Nur ein Klischee oder doch pure Wahrheit? Wir liefern euch heute ein  paar interessante Fakten über die schweizerische Schokoladen-Welt.

Wie wir in Teil 2 bereits erfahren haben, war die Schokolade für lange Zeit nur als Getränk und vor allem unter Hochadeligen bekannt. Dazu habt ihr ja vor zwei Wochen zwei tolle Rezepte erhalten, um so eine Trinkschokolade selbt auszuprobieren.

Mit dem Niedergang der Aristokratie im 19. Jahrhundert verlor die Trinkschokolade an Bedeutung, da man nun auch Kaffee und Tee erwerben konnte. Dafür verbreitete sich die Schokolade in fester Form mehr und mehr. Der Ursprung dieser festen, essbaren Form der Schokolade liegt in Italien und Frankreich. Die sogenannten „Cioccolatieri“ waren fahrende Händler, die das Produkt erst auf Jahrmärkten anboten. In dieser Zeit ging der Schweizer François-Louis Cailler nach Turin und erlente die Herstellung von Schokolade von den „Cioccolatieri“ und kehrte mit diesem Wissen in die Schweiz zurück. Im Jahr 1819 gründet er die erste, mechanisierte Schokoladenmanufaktur der Schweiz und gründete somit die älteste, noch existierende Schokoladenmarke.

Mit der Gründung von Cailler’s Manufaktur war die essbare Schokolade nun endgültig in der Schweiz angekommen und fand nach und nach zahlreiche Förderer und Pioniere.

Hier ein paar weitere Gründer von schweizerischen Schokoladenmarken, die sicher jeder schon mal gehört hat und die zum Teil auch heute noch bestehen:

  • Philippe Suchard, 1826 in Serrières (NE)
  • Jacques Foulquier (später Favarger), 1826 in Genf
  • Rudolf Sprüngli, 1845 in Zürich
  • Aquilino Maestrani, 1852 in Luzern
  • Johann Georg Munz, 1874 in Flawil
  • Jean Tobler, 1899 in Bern

Alle feierten mit ihren eigenen Marken grosse Erfolge, dies mag erstaunlich wirken, da sich alle die Hauptrohstoffe wie Kakaobohnen und Zucker zu hohen Preisen aus dem Ausland anschafffen mussten. Da aber die Schweizer sehr viel Wert auf gute Qualität ihrer Schokolade legten, konnten sie trotzdem so erfolgreich werden und sich sehr grosser Beliebtheit erfreuen und das nicht nur in der Schweiz.

Ebenfalls eine grosse Rolle im Schweizer Schokoladenmarkt hatten Daniel Peter und Rodolphe Lindt. Peter heiratete nämlich die einzige Tochter von François-Louis Cailler und fand so den Weg in die Welt der Schokolade. 1867 eröffnete er in Vevey seine eigene Manufaktur und experimentierte fast 10 Jahre lang und schliesslich gelang es ihm Kondensmilch mit der Kakaomasse zu vermischen und so war 1875 die Milchschokolade geboren.

Man muss wissen, dass Schokolade zu dieser Zeit noch trocken und eher biskuitartig war. Also überhaupt nicht vergleichbar mit dem heutigen Produkt. Hier legte aber Rodolphe Lindt mit seiner Erfindung einen Meilenstein in der Schokoladeproduktion. Lindt, der seit 1879 im Schokoladegeschäft tätig war, erntwickelte nämlich in seinem Unternehmen das „Conchieren“ (sehr, sehr langes rühren), dies ist ein Vorgang in der Herstellung von Schokolade, der es ermöglicht, Fondant- Schokolade herzustellen. Es machte die Schokolade so zartschmelzend, wie wir sie heute kennen und gab ein besseres Aroma. Dies war weltweit einzigartig. Die Maschine, die es dazu braucht, die „Conche“ hat ebenfalls Herr Lindt entwickelt. Das Verfahren des „conchierens“ wird auch heute noch zur Herstellung von Schokolade angewendet.

Um 1900 waren es aber vor allem noch Frauen und Kinder, die Schokolade konsumierten, denn auf sie war auch die Werbung ausgerichtet. Doch die Schokolade-Industrie wuchs schnell und eine neue Zielgruppe musste angesprochen werden, nämlich die Männer. Der hohe Nährwert und die gute Transportfähigkeit machten die Schokolade auch für die Armee interessant. Zum einen entwickelte sie sich so zum idealen Proviant und zum anderen lancierte Philippe Suchard um 1870 sein auch heute noch beliebtes Schokoladepulver als neues Frühstücksgetränk. Zu Beginn sind alle sehr skeptisch, doch schon bald ist das Pulver und die essbare Schokolade auch in anderen europäischen Armeen zu finden. Den Durchbruch für die Schokolade in der Armee bringt allerdings erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als Schokoladenfabriken zur Versorgung der Truppen angeheuert wurden.

Nun, wie sieht es heute aus? Nach wie vor gehört die Schweiz weltweit zu den grössten Schokoladeproduzenten. Mit 1,7 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr gehört die Schokolade-Industrie zu einem wichtigen Wirtschaftszweig der Schweiz. Ausserdem können wir, dank der hohen Qualität unserer Schokolade pro Jahr ca. 115.00 Tonnen exportieren. Einer der grössten Abnehmer ist Deutschland mit 21 %. Dennoch essen wir Schweizer weltweit am Meisten Schoggi, nämlich rund 12 Kilogramm pro Person und Jahr. Die Deutschen sind in etwa gleichauf, es folgen die Niederlande und Österreich.

Allen Schoggiliebhabern, die mit allen Sinnen noch mehr über Schokolade erfahren möchten, empfehlen wir den Besuch einer Schokolademanufaktur. Das ist ein tolles Erlebnis für die ganze Familie. So manche Manufaktur empfängt nämlich sehr gerne Besucher und lässt sie Dinge rund um Schokolade erleben. Aus eigener Erfahrung kann ich die Erlebniswelt von Chocolat Frey in Buchs (AG), aber auch die von Cailler in Broc wärmstens empfehlen. In beiden Besucherzentren taucht man intensiv und mit allen Sinnen ab in die Welt der Schokolade. Man erlebt die Geschichte der Schokolade, lernt über die Rohstoffe, kann Einblick erhalten in die Herstellung, lernt Produkte von früher und heute kennen, kann sie desgustieren und an den meisten Orten besteht die Möglichkeit seine eigene Tafelschokolade zu kreieren und mit nach Hause zu nehmen. Weiterhin besteht natürlich die Möglichkeit, im Shop nach Lust und Laune einzukaufen.Weitere Informationen, sowie Öffnungszeiten, Eintrittspreise, etc. erhaltet ihr jeweils bei den verschiedenen Manufakturen. Hier eine Liste:

http://www.cailler.ch

http://www.chocolatfrey.ch

http://www.alprose.ch

http://www.schoggi-erlebnis.ch

http://www.chocolarium.ch

Nun wünschen wir euch einen wunderschönen, süssen und schokoladigen 4. Advent!

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Team Protected Child

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