Ich meine es doch nur gut

Gepostet am 15. Apr 2016 in der Kategorie Weekend


Wie oft hören wir diesen Satz, wenn sich jemand ungebeten in unser Leben einmischt. Gerade als Eltern kennt man es zur Genüge: sei es im Bus, wo die Kinder von wildfremden Leuten zurechtgewiesen werden, weil sie ein wenig laut sind (Kinder sind nunmal laut, das liegt in ihrer Natur), oder im Supermarkt an der Kasse, wo uns fremde Leute als Rabeneltern hinstellen, nur weil wir unserem Nachwuchs nicht jeden Wunsch erfüllen. Oder noch schlimmer, sie schenken dem Kind genau das was wir ihm kurz vorher noch verboten haben.

Vielen Dank für die Untergrabung meiner Autorität! Wenn wir uns dann noch wehren, heisst es meist: «Aber ich meine es doch nur gut. Ich will Ihnen helfen.» Müssen wir uns das als Eltern wirklich gefallen lassen? Ist es nicht ausschliesslich unsere Privatsache, wie wir unsere Kinder erziehen und wie wir mit ihnen umgehen?

Gründe für ungefragte Einmischung in die Erziehung

Versuchen wir erstmal herauszufinden, warum es so viele (vor allem ältere Menschen) gibt, die sich gerne ungefragt einmischen:

Früher war alles anders, was nicht automatisch heisst, dass alles besser war. Die Menschen lebten in Dörfern mit wenigen Einwohnern, man kannte sich, man half sich gegenseitig aus. Da war man froh, wenn auch mal jemand anderes das Kind zurechtwies, weil dies bei einem Kind oft mehr Eindruck hinterlässt, als es 10 mal von den Eltern zu hören.

Zudem gab es so gut wie keine Elternratgeber, Zeitschriften und Magazine zum Thema «Eltern sein» wie etwa heute. Die Mütter waren weniger aufgeklärt und machten sich nicht so viele Gedanken über Kindererziehung, sie vertrauten noch mehr auf ihren Mutterinstinkt, lehrten den Kindern die Werte und gaben ihnen die Grenzen, die sie als Kind ebenfalls vermittelt bekommen hatten.

Viele ältere Menschen haben Mühe, ihre Überzeugungen der heutigen Zeit anzupassen und sich dementsprechend etwas zurücknehmen, wenn sie in einer Situation sind, die ihnen nicht gefällt.

Also, lasst euch nächstes mal von der älteren Dame nicht stressen, die sich in eure Erziehung einmischt. Macht sie freundlich darauf aufmerksam, wie wichtig Regeln und Grenzen für die Kinder sind und was das Kind dabei lernen kann. Mit Freundlichkeit und guten Argumenten kommt man meistens weiter. Denn wahrscheinlich meint sie es wirklich nur gut.

Zusammenleben von mehreren Generationen

Wo es ebenfalls schwierig sein kann, die Privatsphäre zu wahren, ist in einem Haus, in dem mehrere Generationen unter einem Dach leben. In Bauernfamilien ist kommt es noch immer recht häufig vor, dass der Jungbauer und seine kleine Familie im selben Haus leben wie seine Eltern oder die Schwiegereltern (und vielleicht sogar noch die Grosseltern).

So froh wir sind, dass die Grosseltern gerne bereit sind, auf den Nachwuchs aufzupassen, so froh sind wir doch auch um private Momente zu dritt oder viert als eigene Familie. Genau das ist aber oft schwierig, weil man sich Tag für Tag draussen oder im Treppenhaus begegnet, oder man sich z.B. die Waschmaschine teilt oder die Schwiegereltern noch in die Hofarbeit involviert sind.

Das Geheimnis für gutes, harmonisches Zusammenleben ist hier (wie so oft), einen goldenen Mittelweg zu finden. Ich denke, diesen mit meiner Schwiegerfamilie gefunden zu haben. Ich schaue, dass sie ihre Enkelin regelmässig sehen, indem ich ab und zu auf einen Kaffee zu ihnen gehe. Sie werden auch gerne als Babysitter eingesetzt. Aber wir haben klare Regeln:

Ist das Kind bei den Grosseltern, muss es nicht genau gleich laufen wie bei den Eltern. Und dass es ein wenig verwöhnt wird, ist doch schön und soll auch so sein, jedenfalls in einem gewissen Mass. In grundlegenden, erzieherischen Fragen ist mir aber wichtig, dass wir alle am selben Strang ziehen, dass wir als Eltern gefragt werden und die abschliessenden Entscheidungen treffen. Bei der eigenen Familie kann man nämlich sicher sein, dass sie «es gut meinen», doch es muss in erster Linie für uns als Eltern stimmen.

Mit gegenseitigem Respekt, klarer Kommunikation und klarer Abgrenzung kann das Zusammenleben mit verschiedenen Generationen eine Bereicherung für alle sein.


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Team Protected Child

(Copyright Bild: www.pixabay.com)

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