Pädagogik vs. Emotionen

Gepostet am 1. Apr 2016 in der Kategorie Weekend


Wie schön und einfach ist es doch, als Fachperson den Eltern gute Ratschläge zu geben. Doch oft vergessen wir, dass Eltern sein und als Fachpersonen ein Kind zu erziehen, zwei total unterschiedliche Dinge sind.

In diesem Beitrag möchten wir das Thema «Erziehung als Eltern mit allen Emotionen und der besonderen Beziehung zwischen Eltern und Kind», dem Thema «Erziehen als Fachperson mit Fachwissen und der gewissen Distanz zwischen Kind und Fachperson» gegenüberstellen. Ausserdem wird der Aspekt, beides zu sein, also Fachperson und Mutter/ Vater, besonders beleuchtet.

Schon die Tatsache, dass man als Fachperson eine ganz andere Beziehung zu den Kindern pflegt als die Eltern, lässt uns viele Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln sehen und wir nehmen den Alltag mit dem Kind verschieden wahr. So fällt es uns als Fachperson leichter, dem Kind Grenzen zu setzen und die Reaktion des Kindes auszuhalten, denn wir als Fachpersonen sind nicht so emotional verbunden mit dem Kind und können uns dies aus der Distanz ansehen.

Auch wenn ein Kind sich nicht korrekt verhält (frech ist, tobt usw.) sehen wir dies aus einer anderen Sicht. Was für uns bedeutet, die Emotionen des Kindes auszuhalten, kann in den Eltern schon viele Fragen aufwerfen. Daher sind wir uns bewusst, dass Pädagogik sehr wertvoll und auch wichtig ist, für die Eltern jedoch oft sehr schwierig umzusetzen.

Ich übergebe nun das Wort an Ursula Wichtermann, die sich mit unserem Thema gut auskennt. Sie ist Kleinkinderzieherin und seit bald einem Jahr Mutter. Weiterhin viel Spass beim Lesen wünscht Marissa Horvath.

Erziehung aus Sicht der Pädagogin

Gut, aus pädagogischer Sicht klingt alles so klar und einfach: Grenzen setzen – logisch! Dem Kind Regeln geben und schauen, dass diese auch eingehalten werden – sonnenklar! Konsequent sein mit dem was man sagt, Fehlverhalten verlangt nach einer logischen Konsequenz – top, sehr wichtig!

Doch ist dies alles wirklich immer und in jeder Situation umsetzbar? Macht es das «Mutter sein» wirklich einfacher, wenn man aus einem pädagogischen Beruf kommt und weiss, wie wichtig all diese Dinge fürs Kind sind? Die Antwort lautet: Jein.

Als dipl. Kleinkinderzieherin kann ich die pädagogische Sicht professionell in der Kindertagesstätte vertreten und auch anwenden. Obwohl ich zu jedem einzelnen Kind eine gute Beziehung habe, besitze ich trotzdem die nötige Distanz, damit ich professionell handeln kann. Ich kann in jeder Situation meine erzieherische Haltung wahren und wenn nötig auch durchsetzen.

Pädagogik und Mutterschaft – zwei verschiedene Welten

Als ich dann schwanger wurde, hörte ich oft, wie toll es doch ist, einen solchen Beruf zu haben und bereits so vieles zum Thema Erziehung zu wissen und Erfahrung zu haben. Erst dachte ich auch so, hatte das Gefühl, alles im Griff zu haben, wenn dann das Kleine mal da ist. Ich wusste genau, wie ich mein Kind erziehen will, welche Werte und Regeln ich ihm auf seinem Lebensweg mitgeben will. Dann kam es, das Kleine… und alles war anders!

Auf diesen Moment kann dich niemand vorbereiten, es hat mich genauso berührt, verzaubert und emotional mitgenommen wie jede andere Mutter auch. Doch sogar im Spital hörte ich Sätze wie: «Ah, sie sind Erzieherin, ja da wissen sie ja schon wie das geht…» Hallo?! Hat schon mal jemand in einer Kita ein Neugeborenes gesehen? Stillen, Nabelpflege, Schlafrhythmus eines Neugeborenen – keine Ahnung!

Ausserdem ist es deins, du wirst von jetzt an 24 Stunden, 7 Tage die Woche mit diesem kleinen Wesen zusammenleben und es nicht um 18. 30 Uhr an der Tür abgeben können. Ich war so ahnungslos und teilweise auch hilflos wie viele andere frischgebackenen Mütter auch.

Pädagogisches Fachwissen vs. Emotionen

Nun, bald wird meine Tochter ein Jahr alt. In vieler Hinsicht ist es tatsächlich praktisch, viel Wissen über die Entwicklung von Kindern zu haben. Du reagierst vielleicht etwas gelassener, wenn das Baby mit 6 Monaten noch nicht selbständig sitzen kann, weil du aus Erfahrung weisst, dass sich Kinder extrem unterschiedlich entwickeln. Für Väter und Grosseltern kann dein Fachwissen beruhigend sein. Denn du weisst auch in schwierigen Situationen was zu tun ist, oder wie du Probleme noch anders angehen könntest.

Doch in den letzten Monaten wurde mein pädagogisches Fachwissen und die Fähigkeit, dieses anzuwenden, auf eine harte Probe gestellt:

Willst du deinem Kind ein «nein» beibringen und es beginnt herzzereissend zu weinen, bist du gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich ein «nein» bleiben soll. Aus pädagogischer Sicht muss es natürlich eins bleiben (weiss ich doch!), aber genau hier machen einem die mütterlichen Emotionen einen Strich durch die Rechnung. Bleibst du beim Kita-Kind hart auch, wenn es weint, beginnst du dich beim eigenen zu hinterfragen: muss ich das nun wirklich durchziehen, gibt es nicht vielleicht ein Hintertürchen?

Das ist völlig normal, liebe Fachpersonen und Eltern. Zum eigenen Kind hat man eine tiefe emotionale Bindung, da fällt es einem schwerer, immmer so zu handeln, wie man es am Arbeitsplatz täte. Versucht trotzdem, euch und euren Werten, Regeln und Meinungen treu zu bleiben und diese möglichst an eure Kinder weiterzugeben.

Ich empfehle auch hier: setzt den gesunden Menschen- bzw. Elternverstand ein. Hört auf euer Herz und verzweifelt nicht, wenn mal eine Erziehungsmassnahme danebengeht. Auch wir sind «nur» Menschen. Fehler zu machen ist auch Müttern und Vätern mit pädagogischer Ausbildung erlaubt, solange man daraus lernt und versucht, es beim nächsten mal besser zu machen.


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Team Protected Child

(Copyright Bild: www.pixabay.com)

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Autorin: Marissa

1. Apr 2016

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