Stillen

Gepostet am 15. Feb 2016 in der Kategorie Weekend


Stillen ist die natürlichste Art, ein Baby zu ernähren. Vier von fünf Frauen in der Schweiz wollen heute ihre Babys stillen. Stillen ist wieder «modern»! Dies zeigt die Statistik:

Die Stillquote liegt in der Schweiz zwischen 80 und 92%, nimmt aber mit jedem Monat, der das Kind älter wird, rasant ab (nationale Stillstudie, 2004).

Dies war nicht immer so. Während um 1930/40 in Familien mit niedrigem Einkommen häufig und lange gestillt wurde (privilegierte Familien hatten eine Amme), änderte sich dies in den 1960er und 70er Jahren. Mit dem Aufkommen der Fertigmilch entschieden sich viele Mütter dafür, ihr Kind mit der Flasche zu ernähren.

Heute ist das Stillen dank einer gezielten Stillförderung wieder «in» und für Mütter, die nicht stillen können oder wollen, wird es immer schwieriger, das «Nichtstillen» zu verteidigen. Ihnen wird – zu unrecht – schnell ein schlechtes Gewissen eingeredet und sie müssen sich für ihre Entscheidung rechtfertigen: man stellt lieber bewusst auf Flaschennahrung um, anstatt unglücklich und unzufrieden zu stillen. Das Baby spürt, ob es seiner Mama gut geht dabei oder nicht. Wenn man als Frau Schmerzen beim Stillen hat, verkrampft man und die Milch fliesst nicht richtig.

Stillen muss man üben!

Obwohl das Stillen etwas völlig Natürliches ist, klappt es zu Beginn nicht immer. Stillen muss man lernen («wie lege ich das Baby richtig an?», «Welche Stillpositionen gibt es?» etc.) und üben. Es kann ganz schön schmerzen, wenn das Baby nach der Geburt an der Brust trinkt, aber der Milcheinschuss noch nicht erfolgte.

Es kann sein, dass die Brustwarze verletzt wird. Auch dies schmerzt. Es kann sein, dass das Baby nicht die ganze Brust leer trinkt und sich die Milch zurückstaut. Und will das Baby ständig Trinken oder Nuckeln wird es extrem anstrengend. In den ersten Tagen nach der Geburt, übermüdet und von den Hormonen geplättet, denkt eine Frau schnell: «Das schaffe ich nie».

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschliesslich zu stillen und bei der Einführung von Brei oder anderer fester Nahrung bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus weiter zu stillen. Die Statistik zeigt, dass 2014 in der Schweiz 35% der Babies nach dem 4. Lebensmonat keine Muttermilch mehr erhalten, nach dem 9. Lebensmonat sind es 75% (nationale Stillstudie des Bundes).

Theorie und Praxis liegen da weit auseinander. Woran kann das liegen?

Eine berufstätige Mutter erhält in der Schweiz 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Geht sie danach wieder zurück in ihren Beruf, wird das Stillen komplizierter (Milch abpumpen, Schoppen geben etc.). Dies kann ein Grund dafür sein, abzustillen. Laut der Stillstudie des Bundes hängt eine kurze Stilldauer noch von weitern Faktoren ab: keine Unterstützung durch das Umfeld (insbesondere durch den Vater), junge Mutter, alleinerziehend, niedriges Ausbildungsniveau und kulturelle Herkunft.

Vorteile des Stillens:

Stillen bringt viele Vorteile für das Baby wie auch für die Mutter! Das Baby erhält die perfekte Zusammensetzung der Nahrung (trotz eventuellen Schadstoffen, die von der Mutter aufgenommen werden) in der genau richtigen Temperatur und in ausreichender Menge. Das Trinken an der Brust ist hygienisch. Das Baby reguliert selbst, wieviel Nahrung es aufnehmen möchte. Und durch eine komplizierte Handlungsabfolge aus «Kauen», Saugen und Schlucken fördert es die Kieferentwicklung. Gestillte Kinder haben weniger Mittelohrentzündungen und entwickeln seltener Übergewicht.

Für die Mama ist das Stillen – wenn es gut läuft – einfach, praktisch, kostengünstig und die Milch ist immer verfügbar. Das Stillen fördert nach der Geburt die Rückbildung (Zusammenziehen des Uterus, kann jedoch schmerzhaft sein) und es erleichtert vielen (aber nicht allen) Frauen, ihr Ausgangsgewicht von vor der Geburt wieder zu erreichen. Frauen, die über längere Zeit stillen, haben ein geringeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Stillen nach Bedarf:

Fachleute empfehlen das Stillen nach Bedarf. Das bedeutet, dass das Baby immer dann angesetzt wird, wenn es trinken möchte. Es wird nicht ein bestimmter Abstand zwischen den Stillmahlzeiten eingehalten. Dies ist zu empfehlen, da für viele Babies das Trinken an der Brust mehr als «nur» Nahrungsaufnahme ist. Stillen ist vielmehr Trost, Nähe, Emotionsregulierung (v.a. Beruhigung), Einschlafhilfe etc.

Gibt es Nachteile beim Stillen?

Das Stillen nach Bedarf führt dazu, dass man als Mutter ständig zur Verfügung stehen muss. Insbesondere wenn das Baby noch klein ist und viel und oft trinken möchte. Tag und Nacht! Um nicht so stark abhängig voneinander zu sein, kann mit einer Milchpumpe abgepumpt werden und der Vater oder eine andere Bezugsperson kann dem Baby den Muttermilchschoppen geben.

Das ist aber nicht immer so einfach wie es klingt: es muss abgepumpte Milch vorhanden sein (Planungssache) und das Baby muss aus der Flasche trinken. Da hapert es oft, weil viele Stillkinder die Flasche verweigern und nur an der Brust trinken wollen.

Möchte man, dass das Baby aus der Flasche trinkt, muss man schon nach ein paar Wochen (nicht gerade nach der Geburt wegen einer möglichen Saugverwirrung beim Baby) die Flasche mit der abgepumpten Milch einführen. Das macht am besten der Vater oder eine andere Bezugsperson und nicht die Mama selbst, weil das Baby sowieso bei ihr an die Brust möchte.

Langzeitstillen:

Werden Babies über das erste Lebensjahr hinaus gestillt, spricht man von Langzeitstillen. Viele Mütter rutschen in das Langzeitstillen hinein, weil es zum einen ihrem Instinkt und zum anderen dem Bedürfnis ihres Kindes entspricht. Irgendwann entscheiden die Kinder mit, wie lange sie weiter stillen möchten.

Viele Mütter machen mit einer längeren Stillzeit aber gute Erfahrungen. Sie geniessen die Nähe zu ihrem Kind und stärken dadurch die Beziehung zu ihm. Die Kinder brauchen die Brust nicht nur als Nahrungsquelle sondern auch als Trost und um sich zu beruhigen und als Einschlafhilfe. Sie gibt ihnen die nötige Geborgenheit, wenn sie daran sind, die Welt zu entdecken.

Problematisch kann das Langzeitstillen in der Öffentlichkeit sein. Viele Mitmenschen empfinden es als störend, wenn eine Mutter ihr 2- oder 3-jähriges Kind stillt. Einigen Müttern gelingt es hier schlecht, ihren Kindern Grenzen zu setzen.


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Nicole Brütsch-Grolimund (für Protected Child)

(Copyright Bild: unbekannt)

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Autorin: Nicole

15. Feb 2016

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